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Coraghessan Boyle: Fleischeslust
Carl Hanser, 294 Seiten.

Die Beziehungskisten in T.C. Boyles Erzählband „Fleischeslust“ enthalten so ziemlich alles, was es zwischen zwei Menschen an emotionalen Verstrickungen geben kann: Hass, Wut, Eifersucht, Gleichgültigkeit aber auch sehnsüchtiges Verlangen, tiefe Liebe und Zuneigung. Die Paare lieben, streiten, hassen und versöhnen sich: Willis und Muriel machen sich nach vielen Ehen und gescheiterten Beziehungen gegenseitig die letzten Lebensjahre zur Hölle. Marsha und Julian können nur mehr durch eine Radikalkur von ihrer Sammelwut, die ihr Haus aus allen Nähten platzen lässt, geheilt werden.

Die aus Russland stammende Irina und Kalifornier Casey leiden an einer Beziehung, die schließlich an unerfüllten Wünschen, Geld und nicht zu vereinbarendem Temperament zugrunde geht. Aber nicht nur Liebespaare geraten in dem von Boyle entworfenen emotionalen Hexenkessel. In „Ehrenwerte Gesellschaft“ etwa gehen sich zwei vor Hass schon ganz kranke Mafiabosse gegenseitig an den Kragen und brechen ausgerechnet beim alles entscheidenden Showdown in der Praxis ihres Arztes zusammen.

Der Sprachkünstler Boyle zieht die Leser gekonnt in seinen Bann, verstrickt sie in seine ganz alltäglichen und doch besonderen Geschichten, zeigt im Kleinen große Zusammenhänge. Die Menschen in seinen Erzählungen wirken wie Naturkatastrophen, die der Autor gekonnt über die Leser hinwegfegen lässt.

Boyles Short Storys sind richtige Kunstwerke und lassen verzeihen, dass der Autor seine literarischen Heldinnen durchgängig ziemlich eindimensional als wirklich garstige, rachsüchtige, blutsaugende oder doch zumindest reichlich neurotische Wesen zeichnet.

Bewertung: 9 Punkte (beste Bewertung: 10 Punkte)